Krisenvorsorge oder Fluchtrucksack (Bug-In oder Bug-Out)?

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Beim Lesen mancher Prepperblogs, Foren und Facebookgruppen zu dem Thema, fallen mir manchmal Leute auf, die Krisenvorsorge ein wenig in Frage stellen und meinen ein ordentlicher Fluchtrucksack sei sinnvoller und wichtiger. Aber liegen sie damit richtig?

Als ich beschlossen habe Prepper zu werden, bin ich auch mal von einem Fluchtszenario ausgegangen, daher habe ich einen Fluchtrucksack zusammengestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine speziellen Krisen oder Vorfälle im Kopf, sondern nur den Gedanken „wenn es brenzlig wird, haue ich in den Wald ab und versuche dort in einem Versteck zurecht zu kommen“.

Doch hat es dann nicht lange gedauert, bis ich gedanklich auf Szenarien gekommen bin, bei denen eine Flucht nicht zwangsläufig nötig ist. Dazu gehört definitiv ein langer Stromausfall, ein extremer Winter mit Sperrung von Verkehrswegen oder eine finanzielle Krise mit Engpässen bei der Versorgung mit Nahrung und Verbrauchsartikeln. Für diese Szenarien sollte man zuhause vorsorgen, also sich um Nahrungsmittel, Wasser, Verbrauchsartikel, Heizmaterial (Holz z.B.) und medizinische Versorgung kümmern. Das heißt, Grundbedürfnisse sollten zumindest abgedeckt sein.

Es ist nicht zu bestreiten, dass es auch bei den oben genannten Krisen in weiterer Folge zu zivilen Unruhen, Ausnahmezuständen oder zu brenzligen Situationen kommen kann. Im Idealfall, würde ich aber davon ausgehen, dass sich die Lage nach einiger Zeit wieder entspannt und eine Flucht somit nicht nötig ist.

Im Gegensatz dazu, kann ich mir auch durchaus Situationen vorstellen, bei denen eine Flucht sehr wohl eine lebensrettende Option sein kann. Dazu gehört für mich auf jeden Fall ein Krieg (militärisch, wie auch zivil), Gefahren durch Plünderungen und Einbrüche im Zuge eines Ausnahmezustandes. Und Umstände, wo Gesetze nur mehr bedingt oder gar nicht mehr greifen (kompletter Zusammenbruch der Wirtschaft in Europa z.B.).

Krisenvorsorge zuhause Vorteile u. Nachteile

Die Krisenvorsorge zuhause ist ein großer Aufwand (je nachdem wie weit man damit geht), es müssen dafür zahlreiche Besorgungen gemacht werden. Man muss mehrere Bereiche abdecken, Nahrung, Wasser, Heizmethoden ohne Strom, Kochmethoden ohne Strom, sanitäre Einrichtungen, eine solide Grundausstattung wie Kerzen, Feuerzeuge, Toilettenpapier, Decken, Erste-Hilfe und Medikamente und idealerweise auch noch Tauschmittel für Krisen, wenn Geld nichts mehr wert ist. Das Ganze kann man dann noch beinahe endlos erweitern mit Werkzeugen, Gasmasken, Gartenprojekten, Notstromaggregaten und tausend anderer Dinge. Wenn dann ein ordentlicher Notvorrat vorhanden ist, muss dieser auch verwaltet werden, Nahrungsmittel und Wasser müssen regelmäßig ausgetauscht (rotiert) werden, die andere Ausrüstung muss funktionieren und in Ordnung sein. Die Nachteile liegen hier also auf der Hand, die Besorgungen kosten Geld und Zeit, das Management der Vorräte muss leben und man wird nie fertig damit. Wenn man dann aus irgendeinem Grund sein Hab und Gut doch verlassen muss, weil es einfach zu gefährlich wird zu bleiben, kommen die Vorräte mit Sicherheit jemand anderen zu Gute. Der Vorteil der Krisenvorsorge liegt aber klar im leichteren Aussitzen von Krisen, man ist versorgt und kann auch einige Zeit ohne Güter von außen über die Runden kommen. Aber auch hier sehe ich noch einen Nachteil, wenn Leute bemerken, dass man Ressourcen hat, wäre es denkbar, dass einen gerade dieser Umstand in Gefahr bringt. Verzweiflung kann Menschen zu unglaublichen Handlungen treiben, darum denken viele Prepper bei der Krisenvorsorge auch intensiv über die Verteidigung ihrer Ausstattung nach. Unterm Strich ziehe ich vor allen Preppern den Hut, die es schaffen für Zeiträume über 6 Monate hinaus vorbereitet zu sein, ich kann mir das auf keinen Fall leisten und deshalb hoffe ich auch inständig, dass ich nie solange Krisen erleben muss.

Fluchtrucksack Vorteile und Nachteile

Ein Fluchtrucksack ist relativ schnell zusammengestellt, das liegt vor allem daran, dass es wenig Sinn macht, wenn dieser mehr als 20kg hat. Sollte man tatsächlich weiter von zuhause weg müssen und das vielleicht auch noch im schweren Gelände, wird man jedes Kilo verfluchen, das man dann schleppen muss. Auch finanziell hält sich so ein Rucksack dann in überschaubaren Grenzen. Die Vorteile sind hier also der relativ geringe Aufwand und die geringen Kosten. Trotzdem muss man auch hier einige Zeit investieren, alleine schon, weil man die Sachen auch ausprobieren will (was man auch unbedingt sollte). Wer Nahrungsmittel im Rucksack hat (wie ich z.B. Trek and Eat Tagesrationen), muss auch diese mal aufbrauchen und austauschen. Der Markt bringt auch immer wieder neue Survival-Tools heraus, also wird man die Sachen immer wieder austauschen und optimieren. Auch die Jahreszeiten sollte man dann noch berücksichtigen und seinen Rucksack entsprechend gepackt haben, je nachdem, ob gerade Winter oder Sommer ist. Dazu habe ich bereits mal einen Artikel geschrieben:

Krisenvorsorge nach Jahreszeit – Blogartikel

Den größten Nachteil, den ich beim Fluchtrucksack sehe, dreht sich um die Verfügbarkeit. Was mache ich, wenn ich keine Chance habe zu meinem Haus zu kommen, dann muss ich vielleicht auch ohne den Rucksack flüchten und was dann? Ich möchte weder den Rucksack überall und zu jeder Gelegenheit mitnehmen, noch 5 verschiedene Rucksäcke an diversen Orten deponieren, damit ich mit Sicherheit auf einen davon Zugriff habe, auch das kann ich mir definitiv nicht leisten. Ein weiterer Nachteil ist, dass ich im Falle einer Flucht dann auch mit den mitgenommenen Ressourcen auskommen muss, daher ist es gar nicht so einfach auch an alles zu denken. Das ist auch ein Grund, warum die Fluchtrucksäcke der Prepper zwar ähnlich, aber nie gleich sind. Jeder setzt seine eigenen Prioritäten und bevorzugt oder vernachlässigt andere Dinge.


Aber was ist denn nun die bessere Taktik, Bug-In oder Bug-Out? Aus meiner Sicht kann ich das nur mit einem klaren „weder noch“ beantworten. Für mich ist es eindeutig eine Kombination aus beiden Ansätzen, daher betreibe ich Krisenvorsorge zuhause (in dem mir möglichen Rahmen), habe aber auch die Option mit einem Fluchtrucksack abzuhauen. Ob ich beide Bereiche richtig mache, kann ich so nicht beurteilen, zumindest bemühe ich mich beides für sich so praktisch, nützlich und gut überlegt zu gestalten, wie möglich.

Da ich in meinem Leben noch nie eine lebensbedrohliche Krise erlebt habe, beruhen meine Vorbereitungen auf meinen persönlichen Vorstellungen, aber auch auf Meinungen, Anleitungen und Ratschlägen von Leuten, die sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen. Unterm Strich wäre ich sowieso froh, wenn alle meine Anstrengungen umsonst sind und ich niemals eine reale Bug-In oder Bug-Out Situation erleben muss und wenn, dann hoffe ich, dass ich mit meinen Vorbereitungen meine Chancen zu überleben entsprechend erhöht habe.

Was meint ihr? Ist eine Krisenvorsorge zuhause unnötig und Flucht die einzige Option auf Bedrohungen zu reagieren? Oder kommt für euch eine Flucht nicht in Frage und ist folglich ein Bug-In für euch die einzige richtige Option? Lasst es mich wissen und schreibt mir dazu einen Kommentar! Über ein Like und ein Abo meines Blogs würde ich mich ganz besonders freuen!

2 Kommentare

  1. Hallo Prepperfox! Das Thema Prepping beschäftigt mich sehr intensiv seit ich Vater wurde. Ein Bug out mit Säugling ist aber generell keine gute Idee, daher bemühe ich mich um einen Bug in für mindestens einen Mo at. Da stehe ich aber sehr am Anfang. Ich fahre mehrgleisig. Neben Bevorratung versuche ich Bushcraft-Techniken zu erlernen und mich auf den schlimmsten Fall, einen Bug out, vorzubereiten.
    Was mich interessiert,ist, was fertige BOBs taugen. Preislich gibt es da extreme Schwankungen von ca 180 bis weit über 1000 EUR. Manche Anbieter bieten ein Basic Angebot, das man für weitere Personen erweitern kann, weil ja nicht jeder ALLES braucht. Was hast du da für Erfahrungen? Kommt man günstiger, wenn man alles einzeln kauft, was man unbedint braucht?

    MfG

    BausP

    PS: großes Lob! Gute, sachliche Beiträge! Weiter so.

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    1. Hallo, vorerst mal danke fürs Reinschauen 😊 Ein Bugout mit Kind ist eine grosse Herausforderung und ich bin mir nicht sicher, ob ich Flucht für mich immer noch als Option sehe, wenn ich noch Vater werde.
      Das Thema fertig gepackter Bugoutbag ist extrem schwierig, ich habe mir um 450€ einen beim Shop 2Survivalguys gekauft, bin alles in allem auch zufrieden damit. Ein paar Sachen habe ich zwar ausgetauscht und ergänzt, aber den Kauf bereue ich nicht. Wenn jemand Zeit sparen möchte und es egal ist, wenn man ein paar Euro mehr zahlt, dann kann man sowas ruhig kaufen.
      In der Zwischenzeit bin ich aber der Meinung, dass man lieber am Wissenstand arbeiten soll und auch dort das Geld besser angelegt ist. (Erste-Hilfe Kurs, Survivaltraining, Selbstverteidigung usw.).
      Wissen ist Macht und Ausrüstung sollte man eher als Bonus sehen, sich aber nie zu 100% darauf verlassen, meiner Meinung nach.

      LG Christian

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