Prepping und Krisenvorsorge – Ausrüstung nicht so wichtig?

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Der Markt hat schon vor längerer Zeit entdeckt, dass sich mit Prepping und Krisenvorsorge gutes Geld machen lässt. Wenn man sich in den Foren und Facebook Gruppen umsieht, findet man unzählige Diskussionen in Bezug auf Ausrüstung, aber wie relevant ist es tatsächlich, ob und welche Hilfsmittel man hat?

Als ich mit Prepping begonnen habe, war mein erster Ansatz alles Nötige einzukaufen. Es konnte mir gar nicht schnell genug gehen und bis heute gehen mir die Ideen nicht aus, was ich nicht noch alles besorgen könnte. Also schon mal in Bezug auf die Menge der gekauften Dinge, kann man hier ohne weiteres schnell übers Ziel hinausschießen (da schließe ich mich selbst keinesfalls aus). Der nächste Streitpunkt ist dann die Qualität der gekauften Ausrüstungsgegenstände, egal ob Messer, Multitools, Rucksäcke, Kleidung, Feuerstähle und was sich sonst noch bei einem Prepper findet, alles wird bewertet, ausprobiert und sogar mehrfach gekauft.

Ich frage mich dabei immer, ob es bei einem Rucksack tatsächlich so viele Unterschiede geben kann, damit sich ein Preisunterschied von zum Teil mehreren hundert Euro rechtfertigt. Wenn ich den Rucksack oder ein Messer dauernd im Einsatz habe, dann verstehe ich es noch, dass es hier wirklich etwas sehr Hochwertiges sein soll, aber für den Fall, dass ich vielleicht 2 – 3 Tage in den Wald abhauen muss und kurzfristig dort zurechtkommen soll, frage ich mich schon, ob mir ein durchschnittlicher Rucksack oder ein gutes Messer, das nicht aus High-End-Stahl gefertigt ist genauso nützlich sein und mir sogar das Leben retten kann. Es gibt wohl Menschen die immer davon ausgehen, dass teurer einfach besser sein muss und bei gewissen Dingen im Leben, mag ich das gar nicht abstreiten. Aber wie in meinem persönlichen Fall, hat nicht jeder das Geld sich die beste und teuerste Ausrüstung zu kaufen und ich sehe das schon so, dass es auch günstige und trotzdem sehr gute Waren gibt.

Es gibt im Bereich Prepping und Krisenvorsorge ein paar Dinge, denen ich weit höhere Prioritäten zuweisen würde, als der Ausrüstung, dazu möchte ich folgende Punkte nennen:

– Überlebenswille

Bevor man überhaupt so weit kommt teure Ausrüstung einzusetzen, muss man den Willen haben zu Überleben. Das mag jetzt bitter klingen, aber diese Voraussetzung ist nicht selbstverständlich und wir Menschen können den Willen zu leben durchaus verlieren, dann braucht man auch keine Ausrüstung mehr, weil sie in diesem Fall nicht mehr viel nützt.

– Wissen

Es gibt im Bereich Prepping so viele Themengebiete, welche sich als nützlich erweisen können. Egal ob Erste-Hilfe, Pflanzenkunde, Survival, Orientierung, Selbstverteidigung, Handwerk, Kenntnisse in Bezug auf Nahrung, Wasser und Schutz in der Natur und Vieles mehr. Dieses Wissen sehe ich als wesentlich wichtiger, als jede Ausrüstung. Nur weil man ein Messer in Hand hat und dieses vielleicht 200 Euro gekostet hat, hilft einem das nicht viel weiter, wenn man nicht weiß, wie man Wasser findet und es zur Not zum Trinken aufbereiten kann. Ein gutes Beispiel ist hier auch Erste-Hilfe, das beste Set hilft mir wohl kaum weiter, wenn ich nicht weiß, wofür ich welches Teil verwenden muss. Speziell wenn ich meine Ausrüstung dann nicht verwenden kann, wird Wissen über Alternativen vielleicht den einzigen Unterschied zwischen Weiterleben und ernsthafter Lebensgefahr darstellen.

– Plan

Wenn man dann bereit ist zu tun, was nötig ist, um zu überleben, braucht es dazu einen Plan. Ohne Selbigen stehe ich wieder relativ unbeholfen mit meiner teuren Ausrüstung da und weiß vielleicht nicht, was ich wie einsetzen soll, damit ich in einer schwierigen Situation zurechtkomme. Es geht auch darum zu planen, welche Gegenstände überhaupt in der eigenen Wohngegend Sinn machen. In der Stadt werde ich weder ein Tarnnetz brauchen, noch Schneeschuhe, wohnt man in der Nähe eines Waldes oder am Berg, dann machen diese Dinge schon mehr Sinn. Es wäre auch wichtig zu planen, wo man im Falle einer Ausnahmesituation hingeht. Ein Fluchtrucksack mag ja eine gute Sache sein, aber wenn man nicht weiß, wohin man damit gehen soll und ob der Inhalt dann für den Fluchtort passt, könnte die Sinnhaftigkeit trotzdem fraglich sein.

– Kreativität und Improvisation

Wenn es darum geht Ausrüstung mal nicht so zu verwenden, wie es ursprünglich angedacht war, muss man einfallsreich und kreativ sein, quer denken und aus der Sache und der Ausrüstung das Beste herausholen und so gut wie möglich den gewünschten Zweck damit erfüllen. Gerade im Bereich Multifunktionalität ist das ganz wichtig, Dinge wie ein Messer, ein Schemagh (Tuch), Paracord und andere Sachen, lassen sich für so viele verschiedene Zwecke einsetzen, der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Man kann auch zahlreiche Alltagsgegenstände für Survival und Krisenvorsorge einsetzen, wenn man über Improvisationstalent und Kreativität verfügt.

– Übung und Umgang

Der nächste Punkt, den viele Prepper übersehen oder keine Priorität beimessen, ist den Umgang mit der Ausrüstung zu erlernen und auch zu üben. Sicher weiß ich grundsätzlich wie ein Feuerstahl funktioniert, aber schaffe ich es auch in verschiedenen Bedingungen damit ein Feuer zu machen? Hier hatte ich bereits mehrmals eine Ernüchterung, als ich gesehen habe, dass Feuermachen selbst mit dem Feuerstahl nicht immer reibungslos funktioniert. Ein weiteres Beispiel ist Paracord, Schnur ist schon super, aber wenn es darum geht, ob ich verschiedenste Arten von Knoten kenne, müsste ich schon passen und zugeben, dass ich hier maximal 3 verschiedene kenne.

– handwerkliche und andere Fähigkeiten

Auch hier denke ich an Leute, die sich eine 200 Euro Axt kaufen, aber in ihrem Leben noch nie mit einem Beil gearbeitet haben. Sicher sieht der Umgang mit Messer, Äxten und anderen Werkzeugen bei den Profis immer so einfach aus, aber böse Überraschung, das ist es meist nicht. Ich bin Maschinenschlosser, habe also einen handwerklichen Beruf gelernt, trotzdem kann ich nicht das, was ein Maurer, Maler oder Tischler macht, jedes Handwerk muss erlernt werden. Wenn man also von Waldhandwerk oder Survival spricht, muss auch das erlernt werden und nur die Ausrüstung zu besitzen, macht aus mir keinen Bear Grylls.

– soziale Intelligenz

In Ausnahmesituationen kommen wir Menschen an unsere Grenzen, hier einen ruhigen Kopf zu bewahren und mit panischen und ängstlichen oder aggressiven Mitmenschen zurecht zu kommen, verlangt ein hohes Maß an sozialer Intelligenz und Empathie. Die Kunst liegt hier darin Spannungen zu mildern und gefährliche Situationen zu entschärfen, damit man erst gar nicht ein Messer braucht, um sich eventuell verteidigen zu müssen. Oder Unterstützung anderer zu bekommen, wenn man Hilfe braucht. Es wird auch keine Ausrüstung geben, die mir hilft Leute zu beruhigen oder ihnen einfach seelischen Beistand in schwierigen Situationen zu geben.

– Fitness

Dieses Thema finde ich in den wenigsten Prepperforen, Facebook Gruppen und generell den sozialen Medien, wo sich Prepper unterhalten. Wenn ich 150kg habe, Raucher bin und nach 10 Schritten sprichwörtlich die Luft draußen ist, dann weiß ich nicht, ob teure Ausrüstung hier irgendetwas kompensieren kann. Ich hatte vor einiger Zeit noch 130kg und es fehlte mir an Ausdauer und Kraft. Mir war klar, dass es besser wäre abzunehmen und etwas für meine Gesundheit zu tun, als nur Ausrüstung zu kaufen, jetzt wiege ich knapp 100kg und bin ungleich fitter, als noch zu Jahresbeginn. Ich habe mehr Ausdauer und Kraft und bin auf einem guten Weg. Ein Messer kann ich kaufen, das kostet nur wenig Zeit, fit zu sein für eine Krise oder einen Ausnahmezustand ist ein langsamerer Prozess und verlangt weit mehr Aufwand und Zeit, zumindest in meinem Fall war das so.


Wie man es auch dreht oder wendet, Ausrüstung hat für mich in Prepperkreisen einfach einen zu hohen Stellenwert, wird zum Teil massiv überbewertet und führt auch dazu, dass Leute die wirklich wichtigen Dinge gar nicht in den Fokus bekommen. Das wird mir mit meiner Entwicklung zum Prepper und den Erfahrungen, die ich hier mache immer mehr bewusst. Auch ich muss mir das immer wieder vor Augen führen, weil ich Ausrüstung trotzdem gerne kaufe und ausprobiere und auch mit anderen über dieses Thema diskutiere und das soll ja nicht zwangsläufig falsch sein, solange man weiß, was wichtiger ist. Wenn man diese Punkte erst einmal abdeckt und dann zusätzlich noch über sinnvolle Ausrüstung verfügt, wird man für zukünftige Krisen und Ausnahmezustände gut gerüstet sein. Wie bei vielem im Leben, muss man auf die richtige Kombination achten.

Wie wichtig ist für euch Ausrüstung? Seid ihr auch der Meinung, dass die oben genannten Dinge wichtiger sind oder denkt ihr, dass es für jede Situation die richtige Ausstattung gibt? Schreibt mir dazu bitte einen Kommentar mit euren Ansichten, über ein Like und ein Abo meines Blogs, würde ich mich ganz besonders freuen.

2 Kommentare

  1. Was braucht ein Mensch, um langfristig zu überleben? Luft, Wasser, Nahrung und Unterkunft.Eine Möglichkeit ist, sich auf alles vorzubereiten, was wahrscheinlich noch kommen wird.Es mag zu simpel erscheinen, zu sagen, dass im Umgang mit dem Überleben uns hilft, auf jede Situation vorbereitet zu sein.Aber es ist nichts Falsches daran, Dinge zu vereinfachen, wenn wir uns nur auf das Wesentliche konzentrieren wollen.
    Gruß, Peter

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