Krisenvorsorge – Verlorenes Wissen?

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Menschen waren viele Jahrhunderte wahre Überlebenskünstler, mit Geschick, Kreativität und den verschiedensten Fähigkeiten, überstanden sie die schwierigsten Zeiten in unserer Geschichte. Die moderne Gesellschaft lebt in Abhängigkeit von unzähligen Systemen und Ressourcen, werden wir dadurch bei zukünftigen Krisen größere Schwierigkeiten haben, als unsere Vorfahren?

Wenn man bedenkt, welche Dinge unsere Großeltern und Urgroßeltern mit weit weniger Möglichkeiten und Ressourcen zustande brachten, kann man nur staunen und den größten Respekt vor der Leistung dieser Leute haben. Wenn bei uns nur für eine Woche der Strom ausfallen würde, liefen wir wohl nervös und hilflos in der Gegend herum und könnten nichts tun, weil so ziemlich alles mit Strom funktioniert, was wir so benutzen. Die Versorgung mit Wärme, Nahrung, Wasser, Treibstoff und anderen wichtigen Dingen des Alltags, wäre schnell in Gefahr und Chaos würde sich breit machen.

Welche wichtigen Fähigkeiten verschwinden langsam aus unserer Gesellschaft?

  • Anbau von Nahrung

Ich wuchs als Kind in einem Haus auf dem Land auf, ein großer Bestandteil unseres Gartens diente dem Gemüse- und Obstanbau. Dadurch konnten wir einen gewissen Teil unserer Nahrungsversorgung selbst abdecken. Um Nahrung anbauen zu können, muss man über Kenntnisse in Bezug auf Pflanzen verfügen. Wo baut man was an? Zu welcher Zeit? Welcher Boden eignet sich für welche Pflanze? Wie viel und wie oft braucht die Pflanze Wasser? Und so weiter. Wir waren zwar keine Selbstversorger im eigentlichen Sinn, aber in einer Krise wären wir sicher eine Zeit lang über die Runden gekommen. Sicher haben wir noch Bauern, die solches Wissen haben, aber ohne ihre industriellen Methoden (Traktor, Maschinen, usw.), werden sie den Bedarf von vielen Menschen kaum decken können. Eine manuelle Ernte, bzw. eine Verarbeitung der Güter ohne Treibstoff oder Strom ist einfach undenkbar. Ich denke, dass die wenigsten Menschen heutzutage genug Wissen in diesem Bereich haben, um sich bei einer längeren Krise selbst versorgen zu können. Daher ist es mir ein großes Anliegen zumindest zum Teil zu lernen, wie man Pflanzen und Bäume anbaut und kultiviert.

  • Lebensmittel haltbar machen

Wenn es dann im Garten eine große Ernte gibt (sofern man alles richtig gemacht hat), hat man dann das Problem nicht alles auf einmal essen zu können. Meine Großmutter hatte hier kein Problem, Gemüse und Obst wurde eingelegt, eingekocht oder getrocknet. Im Keller standen unzählige Gläser mit den verschiedensten sauren und süßen Köstlichkeiten und wie durch ein Wunder waren diese Sachen auch ohne Kühlung viele Monate oder sogar Jahre haltbar. Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich keine Ahnung habe, wie sie das genau im Detail gemacht hat. Es wurden auch zahlreiche Möglichkeiten genutzt, um Fleisch haltbar zu machen, dazu gehörten Räuchern, Trocknen, Pökeln und einige weitere Techniken. Da wir heute alle einen Kühlschrank haben und einen Gefrierschrank, werden nur mehr die wenigsten Leute Wege kennen, wie man auch ohne Kühlung haltbare Lebensmittel erhält. Daher ist auch das ein Thema, mit dem ich mich näher befassen möchte.

  • Kleidung herstellen und Reparieren

Als Kinder hatten wir sehr viel Kleidung, die unsere Mutter selbst gestrickt hatte, dazu gehörten die warmen Schafwollsocken, Pudelmützen, Handschuhe und Fäustlinge und auch Strampler als Kleinkinder. Noch früher arbeiteten die Leute auch noch mit Leder, Hanffasern und Fellen, daraus wurden ebenfalls Kleidungsstücke gemacht. Ich musste in der Schule sogar noch Stricken und Häkeln lernen, heute kann ich aber nichts mehr davon und müsste alles komplett neu erlernen. Unsere Vorfahren konnten sogar Wolle noch selbst herstellen, jeder hat schon mal etwas von Spinnrädern gehört. Auch das Weben war eine gängige Methode zur Herstellung von z.B. Decken, viele kennen die aus Holz hergestellten Webstühle noch. Kleidung wurde aber nicht nur hergestellt, sondern auch instand gehalten, also geflickt, gestopft und in der Größe angepasst.

  • Handwerk

Für viele Dinge verwenden wir heute Maschinen, wenn man in die Werkstätten und Garagen schaut, finden sich nur mehr wenige „Handwerkzeuge“, dafür aber alles Mögliche im Bereich Elektrowerkzeug. Bei uns gibt es eine alte Schlosserei, wenn man sich hier anschaut, welch unvorstellbar große Menge an unterschiedlichen Hämmern und Zangen und vielen Spezialwerkzeugen hier herumhängen, dann kann man sich vorstellen, wie kompliziert das Arbeiten dort war. Als Arbeiter musste man dort schon genau wissen, welches Hilfsmittel für welchen Einsatz gedacht war. Ähnlich sieht das wahrscheinlich in alten Tischlereien aus. Dafür hätten diese Leute damals nur einen Stromausfall bemerkt, wenn das Licht ausgegangen wäre, alles andere brauchte meist keinen Strom. Beim Handwerk geht es vor allem um das Bauen von Maschinen, Hilfsmitteln, Werkzeugen, Gebrauchsgegenständen, also allem, was wir heute beinahe rund um die Uhr kaufen oder bestellen können. Sicher mag es noch den einen oder anderen Bastler geben, aber wer macht sich wirklich noch die Mühe tagelang eine Gartenbank zu bauen, wenn er diese um 80 Euro im Baumarkt bekommt.

  • Natur nutzen

Die Natur bietet sehr viele Ressourcen, sofern man weiß, wie man diese findet, erkennt und nutzbar machen kann. Für unsere Vorfahren war es selbstverständlich in die Natur zu gehen und dort Materialien, Nahrung, Wasser und auch Medizin zu holen. Die Industrie holt sich ja auch die Rohware aus der Natur und verarbeitet diese dann erst zu den Gütern, die wir dann im Geschäft kaufen können. Wenn wir jetzt irgendwo im Wald ausgesetzt würden und hätten die Aufgabe, für verschiedene Bedürfnisse die richtigen Naturprodukte auszuwählen, wäre das wohl für die meisten von uns eine unlösbare Aufgabe. Leider wird die wirklich nutzbare Natur auch vom Menschen zerstört und für industrielle Nutzung zweckentfremdet. Das sieht man bei Wäldern, Wiesen, Feldern und anderen Agrarflächen. Ungestörte Wälder oder Kräuterwiesen gibt es immer weniger, dafür sieht man aus der Luft eine Monokultur nach der anderen.

  • Tierhaltung und Verarbeitung

Ohne Eiweiß aus tierischen Quellen, hätten die Leute früher sicher keine Krisen überstehen können. Nur mit Obst und Gemüse, wird es unter dem Strich sehr schwer werden den täglichen Kalorienbedarf zu decken. In unserem kleinen Dorf halten einige Leute Tiere, meist Hühner, Enten und auch Hasen und andere Tiere, die man durchaus als Nahrung verwendet. Auch hier muss ich offen zugeben, dass ich keine Ahnung hätte, wie man Hühner, Enten, Kühe, Ziegen, Schafe und andere Nutztiere hält. Wer vor hat ein Selbstversorger zu werden, wird das ohne Tiere glaub ich nicht schaffen, auch wenn man sie nicht essen möchte, produzieren diese Tiere trotzdem Güter, wie Eier, Milch Wolle und auch Dünger in Form von Kot. Wenn man die Tiere als Fleischquelle nutzen möchte, muss man auch wissen, wie man sie verarbeitet. Ob ich in der Lage wäre ein Tier als Lebensmittel anzusehen, wenn ich es aufziehen und selbst schlachten müsste, ist auch im einer Krise mehr als fraglich.

  • Kooperation

Bei diesem Punkt geht es nicht unbedingt um Wissen, sondern eher um eine Fähigkeit. Die Leute konnten früher nur deshalb schwierige Zeiten überstehen, weil sie einander geholfen haben und in Kooperation an Problemen und Aufgaben gearbeitet haben. Ob das in unserer heutigen Kultur und Gesellschaft überhaupt noch geht ist fraglich. Durch all die Diversitäten in unserer Welt, in Bezug auf politischen, religiösen, wirtschaftlichen und persönlichen Interessen und Schwerpunkte, wird es sehr schwer sein Zusammenhalt zu schaffen. Im ländlichen Bereich geht das eventuell noch leichter, aber in Ballungsräumen, mit unzähligen Nationalitäten und Sprachen, Kulturen und Religionen, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sich eine starke und in allen Dingen einige Gruppe bilden kann.


 

Leider waren das sicher noch nicht alle Fähigkeiten, die wir langsam aber sicher mit dem Ausscheiden älterer Generationen verlieren werden. Sicher gibt es einige Menschen, die um den Erhalt von alten Methoden und Fähigkeiten kämpfen und auch versuchen Leute dafür zu begeistern. Solange wir aber überflutet werden mit allem was wir brauchen, werden nur wenige Menschen Sinn darin sehen solches Wissen nicht aussterben zu lassen. Sicher findet man auch alles im Internet, auch zu den oben genannten Themen, wenn es aber zu einer Krise kommt und wir vielleicht mal ein paar Monate keinen Strom haben, wird es vielleicht nicht möglich sein Google zu fragen.

Ich möchte definitiv zu einem gewissen Grad das „alte Wissen“ erhalten, bzw. mich zumindest damit beschäftigen. Seid ihr auch meiner Meinung? Fällt euch noch Wissen ein, dass verloren geht oder gegangen ist? Ich würde mich sehr über einen Kommentar freuen, ganz besonders freue ich mich über ein Like und ein Abo meines Blogs!

 

2 Kommentare

  1. Lebensmittel haltbar machen!
    Die drei Säulen

    Vorratshaltung für den Fall einer Krise / Grundversorgung / Grundausstattung

    Schwierige Zeiten optimal bewältigen und durch „Vorratshaltung“ Autark werden, es kann zu unberechenbaren unbeabsichtigten politischen Kettenreaktionen in Europa (Weltwirtschaftskrise) kommen, zB Kleinstaat-Diktatoren, Finanzkrise, der große Crash und seine sozialen und politischen Folgen, Rückgang der Beschäftigung, Massenentlassungen. Das Vertauen in Banken ist stark angeschlagen. Schlechte wirtschaftliche Zeiten sind eine Herausforderung. Klimabedingte Ernteausfälle sorgen für höhere Kosten bei Verbrauchern. Die Preise für Nahrungsmittel steigen deutlich Jahr für Jahr. Die ausreichende Versorgung mit Lebensmittel ist keine Selbstverständlichkeit, das wussten auch Oma und Opa. Ich bin ein Freund des Landlebens und ein bisschen „heile Welt“, Nartur und Ruhe zeigt das Leben auf dem Land. Auch meine Eltern und Großeltern hatten Lebensmittel konserviert. Sie hatten schlechte Zeiten durch Krieg und Hunger erlebt.Um schlechte Zeiten zu überbrücken sind Vorräte sehr hilfreich. Das Zitat: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not, sollte man gut kennen und umsetzen.Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.Von wegen Wohlstand für alle.Es wird europaweit zu Konflikten kommen, dadurch wird der gesellschaftliche Zusammenhalt zerstört. Soziale Unruhen sind die Folge.
    Gruß, Peter
    https://shadowred.hpage.com/vorratshaltung.html

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    1. Vielen lieben Dank für deinen Beitrag und deine Ansicht, kann dir nur voll und ganz zustimmen, schade, dass uns als Kinder die Wichtigkeit mancher Dinge nicht bewußt war, so muss ich Vieles neu lernen, das ich bereits von Eltern und Großeltern hätte lernen können. Danke auch für den Link! LG Christian

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