3 Verhaltensweisen in Stress- und Ausnahmesituationen?

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Wir leben in einer Gesellschaft, in der man eigentlich recht wenig Gründe hat, um sich zu fürchten oder in Panik zu geraten. Und ich meine hier auch Angst und Stress in Bezug auf lebensbedrohliche Situationen und nicht unseren Alltagsstress. Ja auch der Morgenverkehr, die Arbeit und auch das Privatleben lösen Stress aus, aber darum geht es hier nicht. Wie reagieren wir Menschen, wenn wir in extreme Umstände kommen? Meist reagieren wir nur mit 3 Verhaltensweisen, aber welche sind das?

Bevor ich auf die Verhaltensweisen eingehe, möchte ich noch kurz beschreiben, was in unserem Körper so passiert, wenn wir uns einer realen Bedrohung stellen müssen. Wir Menschen hatten es nicht immer leicht, daher ist es gut, dass wir mit gewissen Mechanismen ausgerüstet sind, die uns helfen in extremen Situationen zu reagieren. Zuerst beginnt der Hypothalamus Botenstoffe auszusenden, diese bringen die Hirnanhangdrüse dazu einen weiteren Alarmstoff freizusetzen. Wie die Stoffe genau heißen, könnt ihr jederzeit bei Wikipedia nachlesen, ich lasse das hier weg, soll ja keine wissenschaftliche Abhandlung werden. Letztendlich schüttet die Nebennierenrinde und das Nebennierenmark dann Kortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus (diese Stresshormone sind eher bekannt, daher nenne ich zumindest diese).

Die Botenstoffe gelangen blitzschnell in den Körper und führen zu einigen Veränderungen, dazu gehören folgende Auswirkungen:

  • Das Herz schlägt schneller (bessere Durchblutung, Sauerstoffverteilung)
  • Der Blutdruck steigt (bessere Durchblutung)
  • Die Atemfrequenz erhöht sich (mehr Sauerstoff wird aufgenommen)
  • Zucker wird in der Leber produziert (bessere Versorgung von Gehirn und Muskeln)
  • Das Blut wird vermehrt in die Skelettmuskulatur gepumpt
  • Wir produzieren Schweiß (Vermeidung von Überhitzung)

Zusätzlich werden noch einige Körperfunktionen zurückgefahren, die wir in dem Moment nicht unbedingt brauchen:

  • Sexualtrieb
  • Hungergefühl
  • Immunsystem
  • Verdauung
  • Müdigkeit

Unsere Blase und der Darm erhalten Signale zur Entleerung. Der Körper bereitet sich auf das Schlimmste vor und schüttet weitere Hormone aus, damit bewirkt er noch folgende Veränderungen:

  • Unser Blut gerinnt leichter (damit wir bei einer Verletzung nicht sofort verbluten)
  • Die Sinne laufen auf Hochtouren (wir nehmen die Umwelt viel deutlicher wahr, zeitgleich erhöht sich die Abtastrate, das ist der Grund, warum Schrecksekunden gefühlt länger dauern)
  • Das Reaktionsvermögen erhöht sich (wir reagieren instinktiv und weniger rational)
  • Unsere Schmerzgrenze erhöht sich (für den Fall, dass wir verletzt werden)

Welche 3 Arten von Verhaltensweisen gibt es denn nun und was haben wir hier mit Tieren gemeinsam?

Flucht

Wenn man ins Tierreich schaut, sieht man die Fluchtreaktion sehr oft. Hierzu brauche ich nur unsere Hauskatzen zu beobachten, wenn die Nachbarskatze dominanter und vielleicht sogar stärker ist, flieht unsere Katze so schnell sie kann. Dabei hat sie weit aufgerissene Augen und es sieht tatsächlich aus, als würde sie um ihr Leben laufen. Auch bei uns Menschen gibt es Momente, in denen wir einfach nur mehr versuchen aus der Gefahrenzone zu kommen. Ob wir nun vor einer Naturkatastrophe, einem feindlich gesinnten Mitmenschen, einem Tier oder irgendeiner anderen Gefahr davonlaufen, spielt keine Rolle, wir wollen nur weg. Ich bin froh, dass ich in meinem Leben noch nie eine reale Flucht erleben musste und bin auch nicht böse, wenn das den Rest meines Lebens so bleibt. Trotzdem kann ich mir Situationen vorstellen, bei denen ich ohne lange nachzudenken das Weite suchen würde. Daher habe ich auch einen Fluchtrucksack, hier sind Ausrüstungsgegenstände drin, die mir beim Überleben in der Natur, zumindest für ein paar Tage helfen sollen. Passiert an meinem Wohnort tatsächlich mal etwas Schlimmes oder Lebensbedrohliches und ich kann mich nicht mal mehr im eigenen Haus sicher fühlen, dann ziehe ich einen kontrollierten Rückzug jeder direkten Konfrontation vor. Das mögen nun einige „Feigheit“ nennen, wenn es aber mein Überleben sichert, ist es mir vollkommen egal, wie man das nennt.

Kampf

Auch diese Reaktion findet sich bei Tieren häufig, es geht dabei fallweise auch ums Überleben oder die Mahlzeit eines Raubtieres zu werden. In den Prepperkreisen findet man des Öfteren Leute, die klar sagen, dass sie ums Überleben kämpfen werden. Sie meinen damit aber nicht zwangsläufig den Kampf gegen Naturgewalten oder den eigenen Hunger, sondern auch den Kampf gegen andere Menschen, Tiere und Institutionen. Hier geht es um Waffen, Verteidigung, Angriff und Krieg. Ich würde auch gegen die Natur und ums eigene Überleben im eigentlichen Sinne kämpfen, jedoch widerstrebt es mir gegen andere Menschen oder Tiere kämpfen zu müssen. Das heißt aber keinesfalls, dass ich das nicht grundsätzlich für möglich halte, sondern nur, dass es für mich die letzte Option sein wird. Erst wenn ich alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft habe, gehe ich in die Verteidigung mittels Gewalt über. Leider kann es durchaus vorkommen, in eine Situation zu geraten, wo ein Rückzug nicht möglich ist oder aussichtslos, daher kann ich „Kampf“ einfach nicht komplett aus meiner Überlebensstrategie streichen. Ich lege mir dazu schon einige Ausrüstungsgegenstände zurecht, Schusswaffen gehören allerdings vorerst nicht dazu.

Erstarren und Schock

Die dritte und für mich unangenehmste Reaktion auf extremen Stress, ist das Erstarren und im schlimmsten Fall ein Schockzustand. Dieses Verhalten stufe ich als hochgradig lebensbedrohlich ein, man handelt nicht mehr und ist nicht in der Lage sich der Gefahr zu entziehen oder Maßnahmen einzuleiten. Als Kind hatte ich so einen Zustand schon einmal erlebt, als mich ein Auto auf dem Fahrrad beinahe überfahren hätte. Ich stand nur da, konnte nicht mal etwas sagen, der Fahrer schrie mich an (war auch unter Schock) und ich war nicht in der Lage irgendetwas zu tun. Ich habe mich weder bewegt, gesprochen noch konnte ich klar denken. Dieser Zustand dauerte zwar nur wenige Sekunden (gefühlt Minuten), aber dadurch weiß ich, wie unangenehm so etwas sein kann. Beim medizinischen Schockzuständen unterscheidet man zwischen psychischen Schock (wie mein „Fastunfall“, traumatische Erlebnisse, unerwartete und stark belastende Geschehnisse, usw.) und einem physischen Schock (starker Blutverlust, schwere Verletzung, usw.). Das Erstarren ist mit dem psychischen Schock verbunden, kann aber auch in Verbindung mit einer körperlichen Ursache (Verletzung, Unfall) entstehen. Der Schock kann Minuten, Stunden und in Einzelfällen sogar Tage andauern. Ich hoffe wirklich inständig, dass ich immer in der Lage sein werde mit einer der beiden ersten Verhaltensweisen zu reagieren, nie zu erstarren und meine Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

 

Wenn man sich mit Prepping und Kriesenvorsorge beschäftigt, ist es nicht schlecht über diese Verhaltensweisen zumindest in der Theorie Bescheid zu wissen. Durch das Zurechtlegen von Strategien, Ausrüstung und das geistige Durchspielen von schwierigen Situationen, bekommt man das „gewünschte“ Verhalten am ehesten ins Unterbewusstsein und vermindert hoffentlich die Angst, falls man dann tatsächlich in solche Situationen kommt. Institutionen wie Feuerwehr, Rettung, Polizei und auch das Militär haben dazu ebenfalls Strategien, um ihre Leute auf Ausnahmezustände und Stresssituationen vorzubereiten. Sie haben ebenfalls Ausrüstung, trainieren Abläufe, lernen Verhalten in der Theorie und spielen Szenarien in der Praxis durch. Stellt euch nur vor, wenn die Leute aus diesen Gruppen genauso schockiert und ängstlich wären, wie die „normalen“ Leute und dann keiner mehr fähig wäre zu handeln, eine schreckliche Vorstellung. Daher halte ich es nicht für verkehrt, wenn man auch als Privatperson zumindest ein wenig in diese Richtung geht.

Kanntet ihr die 3 Verhaltensweisen in Stress- und Ausnahmesituationen? Habt ihr eine dieser Reaktionen in Bezug auf eine echte Bedrohung schon erlebt? Welche der 3 Verhaltensweisen entspricht eurer Persönlichkeit am ehesten? Lasst es mich wissen und schreibt mir dazu bitte einen Kommentar, über ein Like und ein Abo meines Blogs, würde ich mich ganz besonders freuen.

 

4 Kommentare

  1. Wir leben in einer schnellen und hektischen Zeit. Stress ist heutzutage allgegenwärtig, egal ob im Beruf, zu Hause oder in der Freizeit. Es gibt positiven Stress, Ihn nehmen wir als belastend wahr. Die Kunst ist es, den negativen Stress zu meistern und sich genügend Entspannungsphasen zu gönnen. Mann muss rechtzeitig der Stressfalle Entkommen! Nur wer sich von Stress befreit, kann seine Selbstheilung aktivieren.
    Gruß PvCC

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  2. Eigentlich hatte ich auf meinem Blog schon geschrieben: „The End“ und wollte erstmal aus dem Internet bleiben. Aber dann fielen mir neue Gedichte ein und ich konnte nicht anders, als diese auf mein Blog zu bringen.

    Eigentlich wollte ich nur die neue Lyrik kurz bringen, aber dann merkte ich, dass mir auch meine Mitblogger fehlen. Du hast mir auch gefehlt.

    Nun zu dem Inhalt deiner Worte: Du hast das hervorragend beschrieben, doch ich wollt es nochmal mit meinen Worten sagen: Wenn Gefahr ansteht, kommt es im Körper zur Ausschüttung von Adrenalin, das uns befähigt zu kämpfen oder zu flüchten und wenn sofort reagiert wird, also gekämpft oder geflüchtet wird, entsteht kein Stress.

    Stress entsteht erst dann, wenn beide Möglichkeiten fehlen: Beispiel: Ein Autofahrer nimmt dir die Vorfahrt und du musst hart bremsen. Da entsteht Adenalin, aber weil du es nicht umsetzen kannst in Kampf oder Flucht, entsteht Stress: Du baust diesen vielleicht ab, indem du ihm den Stinkefinger zeigst oder laut schimpft, aber ein Rest verbleibt. Dann hilft nur am Abend nochmals Joggen oder der Boxsack im Keller.

    Ähnlich ist es, wenn du Ärger mit Kollegen oder Vorgesetzten hast. Da kannst du nicht ausholen und zuschlagen oder einfach flüchten, indem du die Tür knallst. Auch hier entsteht Stress. Ist vielleicht etwas naiv von mir erklärt, aber ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

    Aber zum anderen: Ich hab mich mal mit dem Fahrrad überschlagen und da kam mir die Zeit wirklich länger vor, fast wie in Zeitlupe und irgendwas in mir sorgte dafür, dass ich mir nicht alle Knochen brach.

    Man hat das tatsächlich festgestellt, das Rodeo-Reiter, die mehrmals vom Pferd fallen, im Körper einen Stoff aufbauen, der ihre Gliedmaßen in dem Moment des Aufschlagens abhärtet und sie selbst vor Genickbruch schützt. Da wird vom Körper ein Botenstoff entsandt, der fast unverwundbar macht. Ich kanns nicht anders erklären oder wiedergeben.

    Aber es stimmt schon, dass man Angesichts der Gefahr abgehärtet ist.

    Das Gelähmtsein, die Schockstarre kann ich leider nicht beurteilen. Aber ich kenn das Problem: Ist sehr schlimm. Wir müssen alles dafür tun, dass wir niemals in diese Gelähmtheit vor dem Feind verfallen.

    Mach weiter so, mein Überlebebensrucksack ist gepackt .. LG PP 😉

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    1. Freut mich, dass du wieder vin dir hören lässt! Es ehrt mich, dass du mich vermisst hast, das kann ich nur 1:1 retournieren.
      Deine Sichtweise macht auf jeden Fall Sinn und ergänzt meinen Artikel sehr gut, vielen Dank dafür. Als Zusatz würde ich nochvetwas hinzufügen, es dauert auch nach der Flucht oder dem Kampf eine gewisse Zeit, bis die Stresshormone abgebaut sind, wenn wir nicht wissen, ob die Gefahr endgültig vorbei ist, bleibt der Stresslevel auf jeden Fall erhöht.

      Das mit den Rodeoreitern finde ich sehr interessant und das habe ich so noch nie gehört.

      Ich bedanke mich fürs Lesen und den konstruktiven Beitrag! LG Christian

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